Dies und DasDies und Das

Zu schnell….

Andreas schaute kurz noch einmal auf sein Tacho, bevor er langsamer wurde: 73 in einer 50er Zone. Mist, das war das vierte mal in gleicher Anzahl von Monaten.

Er fuhr rechts an den Straßenrand und dachte: „Lass den Polizisten doch wieder einmal herummosern über meinen Fahrstil. Mit etwas Glück würde ein noch schnellerer Autofahrer an ihnen vorbeiflitzen, an dem der Bulle mehr Interesse hätte.“

Der Polizist stieg aus seinem Auto aus, mit einem dicken Notizbuch in der Hand. War das etwa Michael? Michael aus der Kirche?

Andreas sank tiefer in seinen Sitz. Das war nun schlimmer als der Strafzettel: Ein christlicher Bulle erwischt einen Typen aus seiner eigenen Kirche. Er stieg aus dem Auto um Michael zu begrüßen.

„Halle Michael. Komisch, dass wir uns so wieder sehen !“
„Hallo Andreas.“
„Ich sehe du hast mich erwischt in meiner Eile nach Hause zu kommen, um meine Frau und Kinder zu sehen.“
„Ja, so ist das.“
„Ich bin erst sehr spät aus dem Büro gekommen. Sabine erwähnte etwas von Braten und Kartoffeln heute Abend. Verstehst du, was ich meine?“
„Ich weiß, was du meinst. Und ich weiß auch, dass du soeben ein Gesetz gebrochen hast.“
„Aua“ dachte Andreas, „das ging in die falsche Richtung. Zeit, die Taktik zu ändern.“
„Bei wie viel hast du mich erwischt?“
„Siebzig. Würdest du dich bitte wieder in dein Auto setzen?“
„Ach Michael, warte bitte einen Moment. Ich habe sofort gecheckt, als ich dich gesehen habe! Ich habe mich auf höchstens 65 km/h geschätzt!“
„Bitte Andreas, setz dich wieder in dein Auto.“

Genervt quetschte Andreas sich wieder ins Auto. Ein Knall. Türe zu. Er starrte auf sein Armaturenbrett.
Michael war fleißig am Schreiben auf seinem Notizblock. Warum wollte er nicht seinen Führerschein und die Papiere sehen?

Dann klopfte Michael an die Tür. Er hatte einen Zettel in der Hand. Andreas öffnete das Fenster, maximal 5cm, gerade genug, um den Zettel an sich zu nehmen. Michael reichte ihm den Zettel und ging dann zu seinem Auto, ohne ein weiteres Wort zu verlieren.

Andreas faltete den Zettel auf. Was würde ihn dieser Spaß wieder kosten? Doch, Moment: War das ein Witz? Das war gar kein Strafzettel!
Andreas las:

Lieber Andreas,
ich hatte einmal eine kleine Tochter. Als sie sechs Jahre alt war, starb sie bei einem Verkehrsunfall. Richtig geraten; der Typ ist zu schnell gefahren.
Einen Strafzettel, eine Gebühr und drei Monate Knast und der Mann war wieder frei. Frei um seine Töchter wieder in den Arm nehmen zu dürfen. Alle drei konnte er wieder lieb haben.
Ich hatte nur eine und ich werde warten müssen, bis ich in den Himmel komme, bevor ich sie wieder in den Arm nehmen kann. Tausend Mal habe ich versucht, diesem Mann zu vergeben. Tausend Mal habe ich gedacht ich hätte es geschafft. Vielleicht habe ich es geschafft, aber ich muss immer wieder an sie denken. Auch jetzt. Bete bitte für mich.
Und sei bitte vorsichtig, Jack. Mein Sohn Ist alles was ich noch habe.
Michael

Andreas drehte sich um und sah Michael wegfahren, bis er nicht mehr zu sehen war. Langsam fuhr auch er nach Hause. Zu Hause angekommen nahm er seine überraschte Frau und die Kinder in den Arm und drückte sie ganz fest.

Das Leben ist so wertvoll. Behandle es mit Sorgfalt.

Verfasser unbekannt – Foto: Pixelio.de