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Muss-Formulierungen – Muss ich wirklich müssen????

Was unsere „Redewendungen“ über uns verraten…

Dem aufmerksamen Zuhörer fällt schnell auf, ob wir Stress haben, ob wir uns wohl fühlen, ob wir glücklich sind, ob wir zweifeln oder uns als Opfer der Umstände fühlen. Aber unsere Ausdrucksweise hat auch andersherum Auswirkungen auf unsere Gefühle. Es ist ein Wechselspiel zwischen Emotion und Ausdruck.

Oft höre ich von Aufstellern und Klienten das Wörtchen „eigentlich“. Doofe Redewendung. Was denn nun? So oder aber doch anders? Mir geht es „eigentlich“ gut. Aha, also doch nicht so gut? Nach „eigentlich“ folgt in der Regel ein „aber“. Achte mal drauf. Muss das Wort „eigentlich“ denn wirklich sein? Warum drückt man sich nicht klarer aus? Warum sagt man „eigentlich“, wenn man doch sagen möchte: Mir geht es gut! Was ist das? Meint man sich rechtfertigen zu müssen oder dass man es nicht verdient hat, dass es einem gut geht??? Komisch, oder? Oder möchte man „eigentlich“ sagen, in der Hoffnung, dass das Gegenüber nachfragt und man sein Herz ausschütten kann, ohne aber vorher die Maske fallen gelassen zu haben?

Und dann gibt es da noch die Sätze, die mit „Ich muss….“ anfangen oder mit „Ich kann nicht, weil…“, „das geht nicht, weil…“, „Ich schaffe es nicht….“, „Ich hab keine Zeit…“ Diese Unsitte hat sich in unseren Alltag eingeschlichen. „Ich muss weg“ „Ich muss dies oder das noch tun“… Aber hier geht es um weit mehr als nur um Redewendungen. Man benutzt zwar eine Floskel, aber oft steckt ein Leben in Opferhaltung und Selbstzweifeln, Druck und Stress dahinter. Man läßt sich leicht fremdbestimmen und meint, Dinge tun zu müssen, um Anerkennung zu bekommen bzw. viel wert zu sein. Immer wenn man „ich muss…“ sagt, macht man sich klein. Man stellt sich als Opfer der Umstände dar, für die man ja nichts kann. Und was hat man davon? Allenfalls Aufmerksamkeit durch Mitleid. So baut man jedes Mal ein bisschen mehr Selbstvertrauen ab.

Wie wäre es, wenn wir zukünftig mehr „Ich möchte..“ „Ich werde…“ „Ich kann…“ sagen? Gut, das bedeutet, dass wir mehr in die Selbstbestimmung gehen und Verantwortung für uns übernehmen. Aber man demonstriert nach außen und nach innen zu sich selbst auch, dass man Kontrolle hat.

Unsere Aussagen (vom Verstand aus gesteuert) wirken auf unser Unterbewußtsein, so wie das Unterbewußtsein auf unsere Sprache wirkt (man denke an „Freudsche Versprecher“ :-)). Sprache formt und ist eine Bewegung der Seele. Unser Empfinden hängt stark von unserem Ausdruck ab. Je negativer ich rede, desto schlechter fühle ich mich. Je mehr Zwang in meinen Aussagen liegt, desto mehr fühle ich mich unter Druck gesetzt. Dabei mache ich mir den Druck gedanklich schon selbst. Je häufiger man glaubt und sagt, dass man „muss“, je unfreier fühlt man sich. Wer „muss“ erlebt sich als Opfer (von Mitmenschen, Situationen, Umständen). Opfer zeichnen sich dadurch aus, dass sie keine Verantwortung für die Situation übernehmen, in der sie meinen, hilflos irgendwelchen Zwängen (bösen Mächten, Traditionen, Verträgen, Chefs, dem Schicksal, etc.) ausgeliefert zu sein; deshalb lassen sie sich leicht „unterkriegen“.

Es wird dringend Zeit, dass wir uns bewußt machen, wie oft wir „Muss-Formulierungen“ verwenden. Denn jede beeinflußt unsere Psyche. Wenn wir nun jede Formulierung aufgreifen und sie umformulieren, können wir uns von sehr vielen Zwängen leicht be-frei-en. Wir sollten uns selbst beobachten und ermahnen, lieber „ich werde…“, etc. zu sagen. Gut, das fordert ein bisschen Selbstdiszplin, aber es wirkt Wunder. Diese kleine Änderung im Ausdruck bewirkt eine große Veränderung für unser Wohlbefinden. Denn mit jeder „Werde/Kann/Will-Formulierung“ haben wir plötzlich die Wahl! Das kommt im Inneren an und macht die Dinge leichter.

Mit „werde/darf/kann/will“ hört man endlich auf ein Opfer zu sein. Man ist bereit Verantwortung zu übernehmen.

Wenn wir die Menschen beobachten, die viel „müssen“, werden wir erleben können, wie un-frei diese Menschen sind. Allein das sollte uns Ansporn sein, damit wir „können/werden…“.

Und hier noch ein kleiner Vorschlag: Ersetz doch mal einen Tag lang „ich muss“ mit „ich darf“. Beispiel: Ich darf zur Arbeit fahren. Ich darf einen Kuchen für den Kindergarten backen. Ich darf einkaufen gehen. – Das „darf“ kann uns manchmal daran erinnern, wie dankbar wir sein sollten, so manches „dürfen“ zu können, was wir zu „müssen“ meinen. Wenn ich die „darf“-Formulierung benutze, fällt mir vielleicht wieder auf, wie froh und auch dankbar ich sein sollte, dass ich überhaupt diese Dinge tue. Wieviele Menschen wären über-glücklich, wenn sie könnten. Und vor allem habe ich die Freiheit zu „dürfen“. Und ich „darf“ das Kuchenbacken auch genießen – es ist nicht nur leidige Pflicht, sondern auch ein Genuss. Wir neigen selten dazu, unsere Glücksmomente zu zählen, während wird doch recht leichtfertig in Gedanken und/oder mit Worten rum jammern.

Diese Muss-Fallen sind eine wahre Spirale mit Abwärtstrend. Je mehr ich „muss“ auspreche, desto mehr programmiere ich mich auf den Zwang, desto deprimierter und fremdgesteuerter fühle ich mich. Je deprimierter ich bin, desto antriebsloser und negativer bin ich, also werde ich von äußeren Umständen in den Alltag gezwungen. Und schwupps – „muss“ ich wieder.

Auf geht´s: Verwandeln wir „MUSS“ in „WERDE/DARF/KANN“, etc. Und der meiste Stress verwandelt sich in Lebensfreude 🙂

Ich habe nun die Freiheit, diesen Text zu beenden und ich werde mich anderen Dingen zuwenden 🙂