Dies und DasDies und Das

WUNSCHLOS GLÜCKLICH?

Ein alter Mann findet auf der Straße einen Frosch. Er hebt ihn auf, und der Frosch spricht zu ihm: „Ich bin eine verwunschene Prinzessin. Küss mich, und ich werde dir alle deine Wünsche erfüllen!“ Doch der Mann steckt den Frosch in seine Tasche.„Küss mich! Ich erfülle dir alle deine Wünsche!“, ruft der Frosch wieder. „Ach weißt du“, erwidert der Mann, „ich bin in einem Alter, da hat man keine Wünsche mehr. Ich finde einen sprechenden Frosch viel interessanter.“

WUNSCHLOS GLÜCKLICH?
Allzuoft sind wir nicht zufrieden mit dem, was wir haben (und nicht haben) und mit dem, was und wie wir sind (und nicht sind). Und das verursacht Spannungen und unangenehme Gefühle. Doch wer will sowas schon haben? Schließlich wollen wir uns doch wohlfühlen – und das ist auch unser gutes Recht!Also kreieren wir uns Wünsche.
Wünsche haben die Kraft, uns von hier nach dort zu bringen. Die Sache hat aber einen Haken: wenn ich mit dem ‚Hier‘ nicht zufrieden bin und deswegen ‚dort‘ hin will, wird mein ‚Dort‘ ein neues ‚Hier‘ sein, mit dem ich genauso so unzufrieden sein werde. Weil – eigentlich geht es mir ja gar nicht so sehr um das Objekt des Wunsches, sondern viel mehr darum, aus dem ‚Hier & Jetzt‘ zu fliehen.
Unser Verstand hat die Tendenz, ständig unzufrieden zu sein und an allem herumzunörgeln, wie ein müdes, quengelndes Kind, das nicht so recht weiß, was es will. Kaum haben wir die eine Sache erreicht, ist es uns schon nicht mehr genug, und die nächste muß in Angriff genommen werden. Kaum habe ich mir das neue Spielzeug besorgt, wird es auch schon langweilig, und ich will ein neues. Und bekomme ich das nicht, werde ich wütend, bin frustriert und enttäuscht – denn schließlich muss ich das ja haben! Unser Verstand findet in seinem Hunger nach Befriedigung niemals Ruhe. Und das führt zu Unzufriedenheit = mit mir nicht in Frieden sein.
Nicht, dass Wünsche an sich schlecht wären. Wünsche an sich sind wunderbar. Wenn wir Wünsche in bewusste Absichten verwandeln, auf die wir uns bewusst ausrichten können, setzt dies erstaunliche Wachstumsprozesse in Gang und bringt die Evolution voran.
Wenn sich Wünsche jedoch in Begierden verwandeln und wir unbedingt etwas tun müssen, um etwas bestimmtes zu sein (glücklich, zufrieden, …), oder wenn wir erst etwas haben müssen, um etwas bestimmtes zu sein (glücklich, zufrieden, …), dann leiden wir an unseren Mängeln und Unzulänglichkeiten.
Der taoistische Weise Deng-Ming Dao bringt es auf den Punkt:
„Wer dem Tao folgt, weiß, wie er sich von Begierde zu befreien, persönliche Mängel zu akzeptieren und geduldig daran zu arbeiten hat, um den Hunger des Geistes nach äußerer Befriedigung zu beseitigen.“
Wir müssen nichts haben, um glücklich und zufrieden zu sein; wir müssen nichts tun, um glücklich und zufrieden zu sein. Wir können uns jetzt, in diesem Augenblick, dazu entscheiden, glücklich und zufrieden zu sein. Und aus diesem Seins-Zustand heraus können wir beginnen, unsere Wünsche in Erfüllung gehen zu lassen.
Denn eins müssen wir erkennen: wir sind bereits völlig in Ordnung, so wie wir sind. Und wir haben alles, was wir brauchen, in diesem einen Augenblick. Und das Leben drängt uns weiter.
Ein Paradox?
Ja.